Das Wichtigste in Kürze
Frauen mit PCOS haben häufig eine gestörte Darmflora (Dysbiose).
Eine unausgeglichene Darmflora fördert Entzündungen, Insulinresistenz und Gewichtszunahme.
Durch gezielte Ernährung kannst du deinen Darm wieder ins Gleichgewicht bringen – das wirkt sich positiv auf dein Gewicht und deine PCOS-Symptome aus.
PCOS und Darmgesundheit – eine unterschätzte Verbindung
Wenn du versuchst, mit PCOS abzunehmen, denkst du wahrscheinlich zuerst an Kalorien, Sport oder Kohlenhydrate. Doch ein oft übersehener Schlüssel liegt in deinem Darm – genauer gesagt: in deinem Mikrobiom.
Das Mikrobiom ist die Gesamtheit aller Bakterien, Viren, Pilze und Protozoen, die in und auf unserem Körper leben. Wir tragen etwa 100 Billionen Mikroorganismen in uns – sie befinden sich nicht nur im Darm, sondern auch in Nase, Rachen, Haut und Urogenitaltrakt. Das ist zehnmal mehr als unsere eigenen Körperzellen!
Dieses Ökosystem übernimmt viele wichtige Aufgaben. Es unterstützt die Verdauung, hilft bei der Nährstoffaufnahme und macht rund 75 % unseres Immunsystems aus. Wir denken oft, Bakterien seien „schlecht“ – tatsächlich geht es aber um das Gleichgewicht: Zu viele schädliche und zu wenige nützliche Bakterien bringen das System durcheinander.
Studien zeigen: Frauen mit PCOS haben oft genau dieses Ungleichgewicht, was Entzündungen fördert und den Hormonhaushalt stört.[1,2,3] Eine Kombination, die das Abnehmen erheblich erschwert.
Wie gerät das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht?
Stell dir das Mikrobiom wie eine kleine Stadt vor – mit guten und schlechten Bewohnern. Gerät die Balance aus den Fugen, übernehmen die „schlechten“ die Kontrolle. Eine gestörte Darmflora kann viele Ursachen haben, zum Beispiel:
Wenn deine Mutter bei der Geburt übergewichtig war, kann das deine Mikroben-Zusammensetzung beeinflusst haben.
Eine Geburt per Kaiserschnitt verhindert den natürlichen Kontakt mit der mütterlichen Vaginalflora – ein wichtiger Start fürs Mikrobiom.[4]
Ohne Muttermilch fehlt vielen Babys ein entscheidender Baustein für ein gesundes mikrobielles Fundament.
Häufige Antibiotika-Gaben in der Kindheit können das Gleichgewicht im Darm langfristig durcheinanderbringen.
Der regelmäßige Einsatz von Medikamenten wie der Antibabypille oder Schmerzmitteln (z. B. Ibuprofen) hat ebenfalls Einfluss auf die Darmflora.
Eine Ernährung, die kaum resistente Stärke enthält, lässt nützliche Darmbakterien regelrecht verhungern.
Wer oft zu stark verarbeiteten, entzündungsfördernden Lebensmitteln greift – etwa Zucker, Weißmehl oder Transfetten – belastet sein Mikrobiom zusätzlich.
Die Verbindung zwischen Mikrobiom und PCOS
Frauen mit PCOS haben nachweislich eine veränderte Darmflora. Doch was war zuerst da? Das PCOS oder die gestörte Darmflora?
Vieles deutet auf einen Teufelskreis hin: Ein gestörtes Mikrobiom kann Entzündungen und Insulinresistenz fördern – beides typische Begleiter von PCOS. Gleichzeitig können hohe Androgenspiegel, wie sie bei PCOS auftreten, das Mikrobiom weiter aus dem Gleichgewicht bringen.
Und es kommt noch schlimmer: Die Antibabypille, die häufig als „Behandlung“ von PCOS verschrieben wird, schädigt nachweislich die Darmflora. Dies erhöht das Risiko für entzündliche Darmerkrankungen. Sie wirkt symptomlindernd, bekämpft aber nicht die Ursachen.
Mikrobiom, PCOS und Gewichtszunahme – der direkte Zusammenhang
Das Mikrobiom beeinflusst viele deiner PCOS-Symptome – insbesondere das Körpergewicht. Studien zeigen: Die Zusammensetzung der Darmflora kann darüber entscheiden, ob wir zunehmen oder nicht.
🧪 In einer Tierstudie entwickelten Mäuse, denen ein bestimmtes Protein zur Kontrolle schädlicher Bakterien fehlte, Insulinresistenz und Übergewicht. Und das, obwohl sie nicht mehr aßen als gesunde Mäuse. Übertrug man ihre Darmflora auf gesunde Tiere, wurden auch diese krank.
🧪 Selbst bei einer kalorienarmen Ernährung blieb die Insulinresistenz bestehen, denn das geschädigte Mikrobiom hatte den Stoffwechsel nachhaltig verändert.[5,6]
Wie ein gestörtes Mikrobiom dein Gewicht beeinflusst
1. Verlangsamter Stoffwechsel
Bestimmte Bakterien erhöhen die Kalorienaufnahme aus deiner Nahrung – selbst bei gleichen Portionen. Gleichzeitig fördern sie die Fettspeicherung.
2. Verstärkte Insulinresistenz
Eine gestörte Darmflora begünstigt chronische Entzündungen, die wiederum die Insulinempfindlichkeit verschlechtern. Die Folge: Mehr Insulin, mehr Bauchfett, mehr Hormonchaos.
3. Gestörtes Sättigungsgefühl
Dysbiose kann Leptinresistenz auslösen. Das bedeutet: Dein Gehirn registriert das Signal „satt“ nicht mehr richtig. Du hast ständig Hunger, obwohl dein Körper eigentlich genug hat.
3 einfache Schritte für ein gesünderes Mikrobiom
1. Vermeide entzündungsfördernde Lebensmittel
Was deiner Darmflora schadet, solltest du möglichst meiden – besonders in der Zeit, in der du deinen Darm ins Gleichgewicht bringst:
🔴 Industriezucker, Weißmehl, künstliche Süßstoffe
🔴 Hochverarbeitete Produkte (z. B. Proteinriegel, Light-Joghurts)
🔴 Gluten und A1-Kuhmilch (vor allem bei Unverträglichkeiten)
👉 Eine vollständige „rote Liste“ findest du in meinem PCOS-Weg Ernährungskurs – dort lernst du auch, wie du diese Lebensmittel sinnvoll ersetzt.
2. Führe gezielt gute Bakterien zu
Fermentierte Lebensmittel sind deine Verbündeten:
🟡 Sauerkraut, Kimchi, Kombucha, ungesüßter Joghurt
🟡 Hochwertige Probiotika (nach Bedarf und ausführlicher Untersuchung deiner aktuellen Darmgesundheit)
🟡 Kontakt mit der Natur – z. B. durch Gartenarbeit, Barfußlaufen
3. Füttere deine guten Darmbakterien
Resistente Stärke ist wie Dünger für deine nützlichen Bakterien. Sie passiert den Dünndarm unverdaut und landet direkt im Dickdarm, wo sie deine Mikroben versorgt – ohne den Blutzucker zu belasten:
🟢 Gekochte & abgekühlte Stärke
🟢 Unreife Bananen, Flohsamenschalen, Leinsamen
🟢 Kartoffelstärke oder grünes Kochbananenmehl (z. B. im Smoothie)
📌 Alle Details zum PCOS-Weg Ernährungskurs findest du hier.
Fazit: Dein Mikrobiom kann dein Gewicht steuern – oder blockieren
Wenn du das Gefühl hast, dein Körper „wehrt sich“ gegen jeden Abnehmversuch, lohnt sich ein Blick auf deine Darmflora.
Ein gesundes Mikrobiom bedeutet: Weniger Heißhunger, bessere Insulinwirkung, ausgeglichene Hormone – und endlich echte Fortschritte beim Abnehmen.
👉 In meinem PCOS-Weg Ernährungskurs lernst du Schritt für Schritt, wie du dein Mikrobiom aufbaust – ohne extreme Diäten oder teure Nahrungsergänzungsmittel.
Quellen
1. Rizk, M. G., & Thackray, V. G. (2021). Intersection of polycystic ovary syndrome and the gut microbiome. Journal of the Endocrine Society, 5(2), bvaa177.
2. Li, P., Shuai, P., Shen, S., Zheng, H., Sun, P., Zhang, R., … & Wan, Z. (2023). Perturbations in gut microbiota composition in patients with polycystic ovary syndrome: a systematic review and meta-analysis. BMC medicine, 21(1), 302.
3. Tremellen, K., & Pearce, K. (2012). Dysbiosis of gut microbiota (DOGMA)–a novel theory for the development of polycystic ovarian syndrome. Medical hypotheses, 79(1), 104-112.
4. Pivrncova, E., Kotaskova, I., & Thon, V. (2022). Neonatal diet and gut microbiome development after C-section during the first three months after birth: A systematic review. Frontiers in Nutrition, 9, 941549.
5. Scheithauer, T. P., Rampanelli, E., Nieuwdorp, M., Vallance, B. A., Verchere, C. B., Van Raalte, D. H., & Herrema, H. (2020). Gut microbiota as a trigger for metabolic inflammation in obesity and type 2 diabetes. Frontiers in immunology, 11, 571731.
6. Suriano, F., Vieira-Silva, S., Falony, G., Roumain, M., Paquot, A., Pelicaen, R., … & Cani, P. D. (2021). Novel insights into the genetically obese (ob/ob) and diabetic (db/db) mice: two sides of the same coin. Microbiome, 9, 1-20.